Predictions 2026

Ich reihe mich ein in die Tradition von Doppelgänger und OMR und gebe ein paar Predictions für das Jahr 2026. Es sind Dinge dabei, die ich für wahrscheinlich halte – und Dinge, die ich für möglich, aber trotzdem unwahrscheinlich halte. Wenn mehr als die Hälfte davon eintreten, bin ich zufrieden. Ich freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren dazu.

Zwei der Predictions sind KI-generiert. Wer als Erster richtig errät, welche es sind, bekommt von mir eine Kiste Bier seiner Wahl.


1) Weniger Kurzvideos, mehr Newsletter und Videopodcast

Die Menschen in Deutschland haben die Schnauze voll, ihre Aufmerksamkeit in die Hände von Tech-Giganten oder der kommunistischen Partei Chinas zu legen. Jeder hat verstanden, dass Kurzvideos uns einfach Matsche in der Birne machen. Stattdessen genießen die Leute es mehr, sich in Themen wirklich zu vertiefen. Das Format Newsletter (vielleicht hoffe ich das auch etwas eigennützig) erlebt einen Hype und es wird – ähnlich wie beim Readwise Reader – mehr Tools geben, die Newsletter-Abos kuratieren. Auch wird es mehr Videopodcasts geben. Dort passiert zwar visuell wenig, aber Menschen wollen die Aufmerksamkeit voll und ganz auf eine Sache lenken und nicht 100 Dinge gleichzeitig machen.

Metrik: Nutzerzahlen TikTok runter, Videopodcast hoch.


2) Bullshit-Bürojobs verschwinden, Produktivitätsdruck auf den Einzelnen steigt

Nach vier Jahren ausbleibendem Wirtschaftswachstum und mit KI als „Produktivitätskonkurrenz“ kann sich kein Unternehmen mehr erlauben, Arbeitszeit zu bezahlen, in der Kästchen auf dem Desktop gezogen werden. Selbstorga, Produktivität, Fokussierung und Konzentration werden die Super-Skills der Arbeitswelt. Gefragte Mitarbeiter sind die, die mit KI mehr in weniger Zeit geschafft bekommen. Nur so kann die Boomergeneration, die sich in die Rente verabschiedet, auf dem Arbeitsmarkt ersetzt werden.

Metrik: Die Arbeitslosenquote für Akademiker steigt überproportional zur Gesamtarbeitslosenquote.


3) SAP weiter Vollgas

SAP sitzt auf Massen von Unternehmensdaten. So ziemlich jeder betriebliche deutsche Beleg ist in einem SAP-System abgebildet. Es heißt immer so schön: „Daten sind das neue Gold“. Dieses Gold hat SAP, wodurch die ihre Machtstellung noch weiter stärken kann.

Metrik: Die SAP-Aktie schlägt 2026 den DAX.


4) Strava wird verkauft und erhöht die Abogebühren

Mit großem Unmut in der Sport-Bubble zur Kenntnis genommen, wurde Komoot im letzten Jahr von einem Private-Equity-Fonds übernommen. Die ganze Endurance-Welt ist in Corona unfassbar gehyped und hat nun Angst vor dem Kater, daher wollen die Eigentümer ihre Assets loswerden. Strava ist als soziales Netzwerk bei seinen Nutzern noch beliebt und daher umso attraktiver. Und ich bin mir sicher: Es wird künftig nicht nur teurer, es wird auch schlechter.

Metrik: Der Haupteigentümer ändert sich, der Abopreis steigt.


5) LinkedIn-Nutzung geht zurück

Die Betreiber haben den Bogen überspannt. LinkedIn bringt inzwischen mehr Werbung als ein Online-Casino. Wer nicht gerade einen Job sucht oder irgendwie mit LinkedIn Geld verdient, der nutzt die Plattform konsequent weniger. Dieser Trend wird sich 2026 fortsetzen.

Metrik: Nutzerzahlen sinken.


6) Bitcoin verliert an Bedeutung

Der Verlauf von Bitcoin war 2025 durch die Währungsdifferenz Euro/USD etwas verzerrt, alles in allem aber recht ernüchternd. Das wird 2026 so weitergehen. Für Bitcoin gibt es nach wie vor keinen relevanten Einsatzzweck und auch als digitales Gold hat es sich nicht bewahrheitet. Physisches Gold entwickelt sich aktuell besser als Bitcoin.

Metrik: Der Goldpreis schlägt 2026 Bitcoin.


7) Trump hat die Schnauze voll

Hier spricht mit Sicherheit auch ein Stück weit die Hoffnung aus mir, aber ich denke, das Thema Trump wird sich in diesem Jahr erledigen. Das mit Grönland funktioniert nicht und er wird in den Midterm-Wahlen abgestraft, sodass er am Ende unter irgendeiner fadenscheinigen Argumentation seinen Hut nimmt und abdankt. Und ja: Ich befürchte, dann wird JD Vance der mächtigste Mann der Welt.

Metrik: Offensichtlich.


8) B-Städte boomen

Keiner hat mehr Bock auf 18 € Aperol an der Alster oder am Gärtnerplatz. Lieber Krispy-Kebab und Wandern im Teuto. Der Trend zu den großen Metropolen flacht ab und Menschen ziehen lieber in die Hidden Champions der Städte.

Metrik: Die Einwohnerzahl in Bielefeld steigt prozentual stärker als die von München.


9) Wir wählen dieses Jahr noch einmal den Bundestag

Ich hoffe wirklich, dass ich an dieser Stelle falsch liege, aber in jeder Form von Außenkommunikation wirkt die aktuelle Regierung so detailverloren zerstritten, dass sie bis zum Jahresende zerbrechen könnte und wir nochmal wählen.

Metrik: Offensichtlich.


10) Die AfD entzaubert sich

Und auch hier spricht die Hoffnung aus mir. Die AfD stand am 1.1. umfragebereinigt bei 26%. Vielleicht stehe ich noch etwas unter dem Eindruck der wirklich desaströsen Performance von Beatrix von Storch bei Markus Lanz, aber selbst wenn sich Menschen mit dem Parteiprogramm der AfD identifizieren können: Auch die werden dieses Jahr begreifen, dass die AfD allein handwerklich eine völlig dilettantische Partei ist.

Metrik: David Kriesel errechnet auf seiner Website einen Durchschnittswert aller gängigen Umfrageinstitute. Hier sinkt die AfD unter 26%.